Reviews
Reviews
CD Besprechungen von allen Red Hot Chili Peppers Alben kann man hier lesen.
Stadium Arcadium
Beginnen wir mit einem Detail, dem abschließenden Gitarrensolo der Single "Dani California". Da ist er wieder. Der John Frusciante, der die Funk-Maniacs ab Ende der 80er gemeinsam mit der unglaublichen Groove-Power des neuen Drummers Chad Smith in die Rock-Stratosphäre katapultierte. Hendrix-Fan Frusciante spielt Rock und Funk mit einzigartigem Drive auf den Punkt. Wem dies nicht in Sekunden-Bruchteilen durch die Synapsen fährt, der behandelt die Peppers nach über 20-jähriger Karriere allein mit den grauen Zellen und ohne Herz.
Was darf man eigentlich von den Kaliforniern heutzutage erwarten? Bestimmt keine zweite Revolution. Sie beschreiten ihren (früher zuweilen dunklen) Pfad gewissenhaft fort und haben, das sollte man nicht vergessen, viele Bands überlebt. "Stadium Arcadium" kann als Quintessenz dieses Weges begriffen werden. Und eine Single wie "Dani California" gießt dies ins Hit-Format - wie es früher bereits "Can't Stop", "Scar Tissue" oder "Soul To Squeeze" verstanden.
Live In Hyde Park
Warum in den vergangenen 20 Jahren nicht einmal eingefleischte Fans einem Live-Album der Red Hot Chili Peppers entgegen fieberten, hat seinen Grund. Und jeder, der die Peppers schon einmal live gesehen hat, kennt ihn: Anthony Kiedis. Der Mann gehört fraglos zu den buntesten, bewegungsfreudigsten, keineswegs aber zu den begnadetsten Live-Performern im Rock-Zirkus. Töne fachgerecht auszuhalten, das muss bei Anthony nicht sein.
Was seine Band in den 90er Jahren an Live-Tracks auf Maxi-B-Seiten verramschte, muss sogar als echte Frechheit bezeichnet werden. Seither frage ich mich jedenfalls auf jeder Plattenbörse, wer zur Hölle sich nur für die Armada an Peppers-Live-Bootlegs interessiert. Nun, vermutlich viele, denn die Peppers sind mittlerweile sattelfester Mainstream und schon seit zwei Alben mit Gitarrero-Hero John Frusciante wieder vereint, was Grund genug für ein Coming Out darstellen sollte.
By The Way
Schon vor der Arbeit zum Plattenladen rennen, wie lange hab ich so was schon nicht mehr gebracht? Morgens um viertel nach neun im Saturn ist die Welt noch in Ordnung und die Peppers zum Glück noch nicht ausverkauft. 11 Euro Einführungspreis, danke und tschüss. Jetzt aber schnell ins Büro zum Anhören. Zuerst stellt sich die Frage nach dem Cover. Was soll diese Beerdigungsszene auf der Rückseite? Tragen die Peppers den Funk nun endgültig zu Grabe? Mal sehen.
Die Single "By The Way" wird erst mal geskippt, die kennen wir ja schon und dieser Ohrwurm bohrt sich schon seit drei Wochen durch die Hirnwindungen. Aber wie hieß doch gleich dieser Song, den John live auf dem Southside teils mit Akustikgitarre gespielt hat? "Universally Speaking" ist es nicht, klingt aber auch ganz nett. Ein bisschen viel Tschingerassabumm, nicht ganz nach meinem Gusto. "This Is The Place" lässt mich - wie schon bei Californication - an der Technik zweifeln. Im Hintergrund brummt und knarzt es mächtig. Jetzt stellt sich wieder die Frage, ob das wirklich so gewollt ist, oder ob die Techniker um Rick Rubin und die Peppers einfach keinen Sound aussteuern können. Egal, man kann sich auch einbilden, es klänge erfrischend retro und verstaubt, irgendwie vintage eben.
Greatest Hits
20 Jahre Red Hot Chili Peppers. Damit lässt sich Geld verdienen. Und solange die Miterfinder des Funkrock-Hybrids einen neuen Longplayer einspielen, verspricht der potente Backkatalog (diesmal ab 1989) Linderung. Knete hin, tolle Musik her, die "Greatest Hits" stellt eine gelungene bis überraschende Songauswahl inklusive zwei brandneuer Tracks dar. Verantwortliche Kompilierer sollen die Red Hots übrigens höchstpersönlich sein.
Dass angesichts massenhaft guter Peppers-Nummern das ein oder andere Stück fehlt ("If You Have To Ask" oder "Warped"), versteht sich von selbst. "Higher Ground" mit seinen unglaublich beißenden Funkmetal-Gitarren fehlt glücklicherweise nicht. Das begnadete Stevie Wonder-Cover findet sich zwar schon auf den Compilations "What Hits?" (1992) und "Out In L.A." (1994), muss auf einer Best Of für die Zeit ab 1989 aber unbedingt vertreten sein. Schade allein, dass es nur ein Track aus der frischen, abgedrehten und respektlosen "Mother's Milk"-Zeit geschafft hat. Ganz anders liegt der Fall beim Durchbruchs-Album "Blood, Sugar, Sex, Magik" (1991).
Californication
Das wurde aber auch Zeit: Nach vier Jahren melden sich vier Freunde mit ihrem nunmehr zehnten Album zurück, das schon seit mindestens einem Jahr überfällig war. Anthony, Flea und Chad haben wieder mit John Frusciante zusammengefunden, der zuletzt "Blood Sugar Sex Magic" mit seinem Saitenspiel verzierte. Auch Hitmaker Rick Rubin ist wieder mit am Start, welcher auf letzgenannter Platte und zuletzt bei "One Hot Minute" an den Reglern saß.
Nun sind natürlich die Erwartungen extrem hoch gesteckt bei einem derartigen Treffen der Crossover-Giganten. Viele Fans hoffen auf einen Neuaufguß der guten alten Zeiten. Jedoch findet man beim ersten Durchlauf noch keinen Chartbreaker wie "Give It Away". Die Platte ist ruhiger und balladenlastiger. Der Funk machte Platz für mehr Melodie, ganz nach dem Motto: Heartbreaker statt Chartbreaker.